in Unperfekt

unperfekt_glaube.txt

Warum sollte ich nicht an die Unsichtbaren glauben? Warum sollte ich nicht davon ausgehen, dass Anima Mundi oder Faerie tatsächlich existierten? Und warum sollte ich anschließend im selben Atemzug leugnen, dass sie all die fantastischen Wesen beheimaten, welche ich als Kind noch sehen konnte?

Ich glaube nicht an Gott. Als Agnostiker glaube ich aber gleichsam daran, dass ich nicht daran glaube, dass ich nicht an Gott glaube, da ich mich nicht davon überzeugen kann, dass ich ausschließen kann, dass ich an Gott glaube — oder eben nicht.

Aber es ist auch nicht wichtig, ob ich an Gott glaube. Es ist nicht wichtig, ob ich an ihn oder einen der anderen denke. Ich bin nicht religiös. Mir geht es nicht um die Erlösung. Mir geht es um mich selbst. Nicht um Mich. Um Ich. Das kleine Ich. Das Ich, welches nicht blind war. Welches die Welt so sehen konnte, wie sie wirklich ist. Wie ich glaube, dass sie wirklich ist — oder nicht.

Ich sah die Trolle. Ich sah die Feen, die Nymphen, die Wichtel, die Zwerge und belauschte die Eichhörnchen beim Beratschlagen des Nüssesammelplans für den bevorstehenden Herbst. Ich konnte sie wahrnehmen. Die Unsichtbaren. Sie waren da. Real.

Ich glaube nicht an einen Gott, da ich nicht daran glaube religiös zu sein. Aber das bedeutet nicht, dass Entitäten nicht existieren. Das bedeutet nicht, dass das, was man nicht sieht, nicht vorhanden ist.

Würde ich glauben, dass es keine Götter gibt, würde ich glauben dass es die Unsichtbaren nicht gibt. Und würde ich glauben, dass es die Unsichtbaren nicht gibt, würde ich glauben, selbst nie existiert zu haben.

Als Agnostiker glaube ich nicht an die Unsichtbaren. Aber ich glaube gleichzeitig daran, nicht daran zu glauben, dass ich nicht an die Unsichtbaren glaube.

Ich blockiere mich. Ich blockiere Ich.